Montag, 5. September 2011

Von omni zu vegan: die Entscheidung

Vor einigen Wochen fiel mir in der Bibliothek durch Zufall ein Buch über das Verhältnis von Tieren und Menschen in die Hände. Nein, weder Karen Duve noch Jonathan Safran Foer, sondern 'Noahs Erbe. Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen' von Richard David Precht aus den 1990er Jahren. In dem Buch geht es nicht um das Thema Ernährung, sondern eher aus einer philosophischen Perspektive um die Kategorien 'Mensch' und 'Tier'. Precht zeigt, wie Menschen 'Tiere' als etwas, das anders ist als sie selbst, konstruieren, um somit zu legitimieren, über Tiere zu verfügen. In Kapiteln über Speziesismus, Tierethik, Tierrechte, die gesetzliche Lage, Tiere in Philosophie und Religionen legt er die Grundlagen für die letztendliche Frage: Was tun?



Als ich das Buch fertiggelesen hatte, war mir schon klar, dass ich zumindest irgendetwas tun muss. Ich habe schon immer viel über Ernährung und Gesundheit nachgedacht und gelesen, und da ich eine Zeit lang sehr viel Sport getrieben habe, hatte ich seit ca. 3 Jahren eine gewisse Proteinfixiertheit, sprich: Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Eier waren das Gerüst meiner Ernährung. Ernährungsumstellungen an sich sind mir also wohlvertraut.

Der Unterschied diesmal war jedoch, dass ich plötzlich kapierte, dass es hier gar nicht um mich geht, nicht um meine persönliche Gesundheit, sondern viel abstrakter um die Frage, ob ich, Gesundheit hin oder her, überhaupt das Recht habe, dass andere Lebewesen für mich leiden und sterben müssen, nur weil mir mein Rumpsteak und meine Milch im Müsli so gut schmeckt und vielleicht sogar ganz gesund ist. Ich schreibe an der Uni gerade eine Arbeit, in der es viel um Rassismus geht, und die Argumentationslinien in Bezug auf Tiere, also speziestische Begründungen für die Ausbeutung von Tieren, waren auf einmal erschreckend ähnlich für mich.

Mir haben Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte bis dahin immer gut geschmeckt, und ich gehöre auch nicht zu den Leuten, die seit ihrer Kindheit Tiere heiß und innig lieben und sie schon aus Sentimentalität nicht essen könnten. Ich habe nichts gegen Tiere, nur habe ich mich bisher nicht ausgiebig mit ihnen beschäftigt (was sich gerade beginnt zu ändern). Aber ich habe ja auch nicht das Recht, einen Menschen, den ich nicht heiß und innig liebe, umzubringen und aufzuessen, warum also ein Tier?

Da ich mir also weder überlegen musste, ob ich Tiere jetzt gerne mag oder nicht, noch, ob mir Tierfleisch, Milch und Eier schmecken oder nicht, weil das plötzlich irrelevant war, war es ganz einfach, die Entscheidung zu treffen und zu sagen: es ist falsch und gerade in einem Umfeld, wo es so leicht ist, sich anders zu ernähren, noch viel falscher, Tiere für meinen privaten Genuss zu töten.

Deshalb wurde ich fast von einem auf den anderen Tag vegan und lebe damit nun seit fast einem Monat wunderbar. Je mehr ich nun in den letzten Wochen angefangen habe, aktiv über die Massentierhaltung, Speziesismus und Veganismus als ethische Haltung zu recherchieren, desto überzeugter bin ich von der Richtigkeit und Alternativlosigkeit meiner Entscheidung - und desto glücklicher bin ich darüber, dass all diese Fragen zwar spät, aber nicht zu spät in mein Leben getreten sind. Über dieses 'neue' Leben möchte ich hier auf diesem Blog berichten, meine Gedanken teilen und sicher ab und zu auch mal ein Rezept - denn veganes Essen schmeckt TOLL :)

Kommentare:

  1. Hallo! Dein Entschluss hört sich sehr gut an... Es freut mich wirklich sehr, dass du diese Entscheidung getroffen hast.

    Das Buch "Noahs Erbe" kannte ich bisher noch gar nicht, aber wenn es solche Auswirkungen auf dein Denken und Handeln hat muss es wohl wirklich sehr gut sein :-)

    Ich bin schon gespannt auf die nächsten Blog-Beiträge von dir... LG...

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  2. Danke sehr - ich bin auch nach wie vor sehr glücklich über meine Entscheidung, selten habe ich so toll abwechslungsreich gegessen u. mich satt u. gesund gleichzeitig gefühlt. Das Buch fand ich wirklich gut, weil es eben gar nicht um Essen geht, sondern abstrakter um das Verhältnis von Mensch u. Tier - für mich war das irgendwie logischer nachzuvollziehen, warum es dann nur falsch sein kann, Tiere für mich leiden zu lassen, unabhängig davon, ob ich jetzt Tiere total liebe oder nicht. Und den nächsten Blogeintrag schreibe ich jetzt :)

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  3. "Ich habe nichts gegen Tiere" so geht es mir mit den meisten Tieren auch. Ich mag Hunde und Katzen und Pferde. Aber Kleintiere machen mir irgendwie Angst und Vögel finde ich einfach eklig. Man muss sie ja nicht mit ins Bett nehmen wollen, um es falsch zu finden, sie zu quälen oder zu töten.

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  4. Eben, ich darf ja einen anderen Menschen auch nicht quälen oder töten, weil ich ihn vielleicht hässlich oder unsympathisch finde. Ich finde Tiere so draußen in der Natur echt okay, zum Teil sogar wunderschön, aber dann ist auch gut. Komischerweise komme ich sehr gut mit den großen Spinnen in meiner Wohnung klar, die kriegen einfach Namen von mir und werden damit zu Familienmitgliedern :) Am wenigsten mag ich glaub so Schleimtiere wie Nacktschnecken - aber auch die haben ein Recht auf Leben u. finden mich sicherlich auch ultra-strange....

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